Zoot Woman – Memory

Zoot Woman – Memory

Reaktionen / Presse / Preise

Memory kam auch in der Presse sehr gut an, gewann sowohl national als auch internatio­nal Preise und war in der Woche von 22.3.2010 – 29.3.2010 das „Musik Video Of The Week“ im amerikanischen iTunes Store.

„Unter der Regie der österreichischen Studenten Mirjam Baker und Michael Kren entstand nun das neue Musikvideo zu »Memory« von Zoot Woman. Darin wandert ein Unbekannter durch animierte Erinnerungen, die er wiederum im Polaroid- (bzw. Dia-)Format betrachtet. Das ›alte‹ Medium wird so geschickt neben der Digitaltechnik der restlichen Aufnahmen in den Vordergrund gerückt. Interessanter Nebeneffekt: Durch die Kolorierung der Polaroid-Motive im Clip wirken die Farben deutlich lebhafter, die Personen greifbarer und plastischer als die sie umgebenden Passanten – die völlig gegenteilige Bildästhetik also, für die Polaroids in der Regel stehen.“

Spex online am 21.9.2009

Bei dem Film Memory von Michael Kren und Mirjam Baker handelt es sich um eine faszinie­rende Verbindung aus Realfilm als Symbol der Gegenwart und grafisch malerische Anima­tionstechnik und Darstellung der Erinnerung. Hier wird in perfekt bearbeiteten Sequenzen mit passender Musik, schnellem Schnitt und mit sicherer Kamera eine vergangene Liebesge­schichte erzählt. Durch das Spiel mit den beiden Welten bekommt der Film inhaltlich noch eine weitere künstlerische Dimension.

Laudatio für HUBERT-SIELECKI-PREIS FÜR DEN BESTEN ANIMATIONSFILM AM film:riss Festival 2009Memory

Preise:

‚Best Digital Short‘ (Aniwow!2009, CHN)

‚Hubert Sielecki Special Award for Best Animation‘ (film:riss 2009, AUT)

‚Golden Wire 2009: Best Shortfilm‘ (St.Poelten University of Applied Sciences, AUT)

‚Golden Wire 2009: Audience Award‘ (St.Poelten University of Applied Sciences, AUT)

‚Content Award 2009: ‚Open‘ Category‘ (Media Quarter Marx, AUT)

Festivalaufführungen:

- film:riss 2009 (AUT)

- Shoot-Me 2009 (NL)

- Youki 2009 (AUT)

- Aniwow! 2009 (CHN)

- Golden Wire 2009 (AUT)

- Content Award 2009 (AUT)

- Tricky Women 2010 (AUT)

- Diagonale 2010 (AUT)

- Vienna Independent Shorts 2010 (AUT)

- Poolbar Festival 2010 (AUT)

- Alpinale 2010 (AUT)

- Frameout 2010 (AUT)

Post-Produktion

Die Post-Produktion, die sich über sechs Monate mit sieben Arbeitstagen pro Woche paral­lel zu unserem Studium hinzog, kann durchaus als das Kernstück der Produktion bezeichnet werden. Zuerst galt es, einen geeigneten Stil für die Animation, eine gute Balance zwischen Qualität und Effizienz zu finden – denn es galt mehr als 2000 Frames zu zeichnen.

Auch hier wurden wir tatkräftig von unserer FH-Kollegin und Freundin Lilo Moser unterstützt, die (na­türlich unentgeltlich) die gesamten sechs Monate jeden Tag mit uns gezeichnet hat.

Wir überlegten uns einen optimalen Workflow für die Animation: Jede Szene wurde zwei mal gedreht, einmal ohne Darsteller mit dem Dia im Bild und einmal ohne Dia, dafür aber mit den Darstellern. Da wir uns keine Kamera mit Motion-Control leisten konnten, mussten wir die Szenen einzeln stabilisieren und dann durch Motion-Tracking in Adobe After Effects zusammenfügen.

Keine leichte Aufgabe, die zusätzlich durch unseren Mangel an Erfahrung erschwert wurde, da wir beim Dreh nicht darauf geachtet hatten, mit einem schnelleren Shutter-Speed zu filmen oder Tracking Points in die Umgebung zu integrieren. Aber auch wenn wir dadurch länger gebraucht haben und uns bei der Arbeit einige graue Haare gewachsen (beziehungs­weise ausgefallen) sind, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.

Wenn die Szenen fertig bearbeitet waren, wurden sie als Einzelbilder exportiert und dann in Adobe Photoshop unter Verwendung von Graphic Tablets Bild für Bild übermalt. Diejenigen im Team, die besser zeichnen konnten – also Mirjam und Lilo – zeichneten nur die Konturen und Schattierungen, während diejenigen, die nicht so geübt waren – also ich – die Figuren aus- bzw anmalten.

Auch hier wurden wir ein wenig von Freunden und Kollegen unterstützt, allen voran Philip Schmallegger, Daniela Vogl und Manuel Corn. Um einen reibungslosen Workflow zu gewährleisten, fertigten wir einen Styleguide, also eine Anleitung mit genauer Erklärung des Arbeitsprozesses und einer Definition von den zu verwendenden Pinselarten und Größen sowie einer genauen Farbpalette für jeden Hautton und jede Kleidungsfarbe, an.

Die Animation wurde von uns mit 12 Bildern pro Sekunde konzipiert und gezeichnet, eine durchaus gängige Praxis im Animationsfilm. Sorgen machten uns allerdings die letzten Szenen im Video, in denen der Protagonist bereits in der Welt seiner Erinnerungen gefangen und alles übermalt sein würde, da 12 Bilder für Vollbildanimation schon sehr wenig wären.

So hatten wir den Einfall, Umgebung und Kamerabewegung in diesen problematischen Szenen dreidimensional zu Tracken und dann im Pseudo-3D-Raum von Adobe After Effects nachzubauen, wodurch wir auf die dadurch entstandenen virtuellen Wände gezeichnete Texturen „kleben“ konnten, was sich als enorme Zeitersparnis herausstellte. Geholfen bei diesem technisch ziemlich komplexen Prozess hat uns unser Kollege Christian Waldhofer.

Als wir im März 2009 schließlich mit Memory fertig waren, baten wir die Band – die das Video bis dahin noch nie gesehen hatte – uns die endgültige Version des Songs zu schicken, da wir mit einem bereits ein Jahr altem Demo arbeiteten.

Doch die Version, die uns Adam Blake zukommen ließ, überraschte uns sehr: Das Lied klang plötzlich ganz anders als im Demo, um das herum wir das Video aufgebaut hatten.

Aber nicht nur das Klangbild, sondern auch die Struktur des Songs war verändert, wodurch das Video an vielen Stellen plötzlich sehr unpassend wirkte.

Schockiert über diese Entwicklung schickten wir das Video sowohl mit der alten, als auch mit der neuen Version des Songs an Zoot Woman, in der Hoffnung, das sie das Problem erken­nen würden, da es uns schlicht unmöglich war, das Video noch zu ändern.

Die Band war von unserem Produkt außerordentlich begeistert und verstand unsere Beden­ken bezüglich des Songs. Zwei Tage später bekamen wir eine Email von Adam Blake in der er schrieb, dass die Band noch einmal ins Studio gegangen war, das Lied zu unserem Video neu aufgenommen hatte und es in dieser Version auch auf das Album kommen würde – für Mirjam und mich eine große Ehre.

Memory war für uns ein Experiment – auch wenn es eine Auftragsarbeit für eine internatio­nal anerkannte Band war. Gemessen am Feedback, der Aufmerksamkeit in den Medien und den Preisen, die das Video gewonnen hat, würde ich wagen zu behaupten, dass es ein voller Erfolg war, auf den ich sehr stolz bin. Vorallem wenn man bedenkt, dass die Produktionskos­ten mit 850 Euro extrem gering ausfielen.

Produktion

Wie bereits erwähnt war Memory unserer erste echte Auftragsarbeit und so war der Druck, der auf uns lastete, dementsprechend groß – auch wenn 90% davon von uns selbst kam.

Unser Ziel war es, ein Musikvideo zu produzieren, das im internationalen Bewerb mithalten und nicht sofort als „Studentenarbeit“ entlarvt werden würde und das auch noch eine kurze Geschich­te erzählen sollte.

Wir wussten, dass unsere größte Schwäche der offensichtliche Mangel an Erfahrung war und ver­suchten, diesem Manko durch zusätzlichen Aufwand in der Planungsphase entgegenzuwirken. So wurden auch nicht alle Design-Entscheidungen, die ihren Weg in das Video gefunden haben, ohne einen praktischen Hintergedanken getroffen. Die Entscheidung, das Video in Ego-Perspek­tive zu drehen wurde nicht nur aus dem Grund getroffen, damit sich der Zuseher besser mit dem Protagonisten identifizieren kann, sondern auch, weil wir keine geeigneten Darsteller kannten und noch nie zuvor mit Schauspielern gearbeitet hatten. Uns war klar, dass schlechte Schauspieler jede noch so gute Idee ruinieren würden. Auch unsere Wahl der rotoskopierten Animation war nicht nur eine stilistische: wir wollten die Erinnerungen realistisch in den Bewegungen aber auch stilisiert zeigen und da weder Mirjam noch ich eine Ausbildung im Zeichnen haben schien uns die Idee, bereits gefilmtes Material zu überzeichnen als die beste Vorgehensweise.

Wir zeichneten also ein sehr detailliertes Storyboard und machten daraus ein Animatic, in dem wir jede Sequenz auf die Sekunde genau timeten. Auf Basis der daraus gewonnenen Er­kenntnisse drehten wir ein Layout des gesamten Videos mit einer handelsüblichen Handycam (ohne Animationen) um herauszufinden, ob unsere Idee im Groben funktionieren würde.

Die Spektakelmaschine bzw. We Won‘t Break haben Mirjam und ich im Alleingang produziert und so dachten wir lange Zeit, dass wir es bei Memory genauso machen könnten/würden. Doch schon bald stellte sich heraus, dass unser Vorhaben zu ambitioniert und unmöglich nur zu zweit realisierbar war. Aufgrund unseres Mangel an Erfahrung hatten wir zuerst Hemmun­gen, an andere Leute heranzutreten. Doch schließlich merkten wir, dass es ohne fremde Hilfe nicht funktionieren würde und sprangen über unseren Schatten – eine der besten Entschei­dungen, die wir in dieser Phase des Projekts getroffen haben.

Wir rekrutierten also einen kleinen Kreis an interessierten Freunden und Studienkollegen, die uns vor allem während der Produktion maßgeblich unterstützten.

So kamen wir über unseren Studienkollegen Boris Steiner (Kameraassitent und Schnitt bei Memory) an die beiden sehr ambitionierten jungen Kameramänner Andreas Thalhammer und XiaoSu Han, die wiederum die Idee hatten, beim deutschen Kamerahersteller GS-Vitec um ein Sponsoring anzusuchen, weil sie bereits gute Erfahrungen mit dieser Firma gemacht hatten.

Nach kurzem, unkomplizerten Emailverkehr stellte uns GS-Vitec tatsächlich einen Prototyp ihrer digitalen 35mm Kamera noX zur Verfügung, ohne die wir Memory auf diese Art nicht verwirklichen hätten können – und zwar kostenlos. Der Clou bei diesem Kamerasystem ist, dass man den vorderen Teil, auf dem Objektiv und Chip sitzen, vom Rest der Kamera abtren­nen und an einem Kabel führen kann – perfekt, um die von uns geplante Ego-Perspektive zu verwirklichen.

Stefan Karner, ein Schulfreund von mir, baute uns ein Helm-Rig aus einem alten Motorrad­helm, auf dem wir besagten Teil der Kamera leicht montieren konnten.

Der Dreh des Videos an verschiedenen Schauplätzen in Wien dauerte drei Tage und verlief – in Anbetracht der Tatsache, dass es immerhin unser Regiedebut war – nicht zuletzt auch Dank unserer genauen Planung ausgesprochen reibungslos.

Synopsis

Memory ist bereits das zweite preisgekrönte Musikvideo, das Mirjam Baker und Michael Kren während ihrer Studienzeit für die international anerkannte, britische Elektro-Pop Band Zoot Woman produziert haben, wobei ihnen vollkommene künstlerische Freiheit gegeben wurde. In einer Mischung aus Realfilm und rotoskopierter Animation erzählt es die Geschichte eines Mannes, der einer verlorenen Liebe nachtrauert und sich mit einer Schachtel scheinbar leerer Diarahmen an jene Orte begibt, die ihn an diese vergangene Beziehung erinnern. Wenn er durch diese Dias blickt, erwachen seine Erinnerungen in Form von handgezeichneter Animation zum Leben, doch als ihn seine imaginäre Liebe berührt, gerät seine Realität aus den Fugen…

Über das Video

Memory war, nachdem “We Won’t Break” durch einen „glücklichen Zufall“ zum erfolgreichsten Musikvideo der Briten Zoot Woman wurde, unsere erste echte Auftragsarbeit. Bei einem Treffen mit der Band im April 2008 wurden wir gefragt, ob wir Interesse hätten, ein weiteres Video für die Band zu produzieren. Die Single stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, auch der Release-Termin des neuen Albums „Things Are What They Used To Be“ war noch ungewiss.

Die Band spielte beim anschließenden Konzert einige neue Nummern aus dem erwähnten neuen Album und fragte uns, was wir vom neuen Material hielten. Mirjam gefiel der Track Memory sehr gut und einen Monat später, bei einem weiteren Konzert und Treffen in Wien antwortete Adam Blake – der Schlagzeuger von Zoot Woman, der die erste Arbeit von Mirjam und Mike, „die Spektakelmaschine“, auf YouTube entdeckte – auf die Frage, ob die nächste Single bereits feststehe, dass „Mirjam ja Memory so gut gefallen hätte, also nehmen wir einfach das!“. Wir bekamen vollkommene künstlerische Freiheit, die Band wollte sich nicht in den Entstehungsprozess einmischen, da sie sicher waren, „dass das Video großartig werden wird“ und sie Angst hatten „es mit ihrem Input zu verderben“. Nur falls Mirjam und ich grobe kreative Differenzen hätten, sollten wir zu ihnen kommen, weil sie nicht wollten, dass wir uns streiten.

Während der Konzeptentwicklung war uns sehr schnell klar, dass wir mit Memory gerne eine Geschichte erzählen würden, was für ein Musikvideo eher untypisch ist, da in den meisten Videos der Künstler, beziehungsweise die Band, in den Vordergrund gestellt und auf möglichst interessante und vorteilhafte Weise beim Performen des Songs abfotografiert wird.

Es gibt zwar sehr viele großartige Musikvideos, die in diesem Stil produziert sind, uns war es jedoch wichtiger, dem Song eine passende visuelle Komponente hinzuzufügen und zusammen mit dem Video eine Art Gesamtkunstwerk zu kreieren.
Wir sezierten den Song, hörten ihn uns immer wieder an, schrieben den Text heraus und versuchten auf die Grundstimmung, den Kern des Liedes, die Grundaussage zu stoßen. Zugegebenermaßen war das bei Memory nicht allzu schwierig, doch auch wenn es sich dabei um einen tanzbaren Popsong handelt, wird ihm durch die Melancholie im Gesang eine weitere Ebene verliehen, für die Zoot Woman auch bekannt ist.
Der Song handelt von Erinnerungen an eine vergangene Beziehung, die man nicht loslassen kann, von der man nicht abkommen kann. Genau das wollten wir darstellen. Wir überlegten also was man macht, wie wir uns verhalten würden, wären wir in so einer Situation und kamen auf die Idee, einen Mann durch die Stadt an Orte gehen zu lassen, die ihn mit dieser verlorenen Beziehung verbinden. Wir wollten diese Erinnerungen auch dementsprechend visualisieren und hatten den Einfall der scheinbar leeren Diarahmen. Ein Medium, das per se für Vergangenheit und Nostalgie steht – in diesen Rahmen sollte Vergangenes zu neuem Leben erwachen.

Mirjam und ich haben eine starke Affinität zu Animation und wollten dieses Stilmittel auf jeden Fall auch bei Memory einsetzen, ohne uns allerdings zu wiederholen. So hatten wir die Idee, diese vergangenen Ereignisse als rotoskopierte Animation zu visualisieren – unserer Meinung nach ein perfektes Mittel, Erinnerungen übertrieben stilisiert und „verschönt“ darzustellen, da viele Menschen ja genau das in ihren Köpfen tun: Die Vergangenheit verändert sich mit der Zeit, manche Aspekte werden verdrängt, andere verstärkt.

Wir wollten die (einsame, kalte) Realität mit entsättigtem Realfilm und die (schöne) Erinnerung an eine bessere Zeit in Zweisamkeit in farbenfroher, stilisierter Animation zeigen.

Hintergrundinfors zur Produktion und Postproduktion von Memory gibt es demnächst!

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