Post-Produktion
Die Post-Produktion, die sich über sechs Monate mit sieben Arbeitstagen pro Woche parallel zu unserem Studium hinzog, kann durchaus als das Kernstück der Produktion bezeichnet werden. Zuerst galt es, einen geeigneten Stil für die Animation, eine gute Balance zwischen Qualität und Effizienz zu finden – denn es galt mehr als 2000 Frames zu zeichnen.
Auch hier wurden wir tatkräftig von unserer FH-Kollegin und Freundin Lilo Moser unterstützt, die (natürlich unentgeltlich) die gesamten sechs Monate jeden Tag mit uns gezeichnet hat.
Wir überlegten uns einen optimalen Workflow für die Animation: Jede Szene wurde zwei mal gedreht, einmal ohne Darsteller mit dem Dia im Bild und einmal ohne Dia, dafür aber mit den Darstellern. Da wir uns keine Kamera mit Motion-Control leisten konnten, mussten wir die Szenen einzeln stabilisieren und dann durch Motion-Tracking in Adobe After Effects zusammenfügen.
Keine leichte Aufgabe, die zusätzlich durch unseren Mangel an Erfahrung erschwert wurde, da wir beim Dreh nicht darauf geachtet hatten, mit einem schnelleren Shutter-Speed zu filmen oder Tracking Points in die Umgebung zu integrieren. Aber auch wenn wir dadurch länger gebraucht haben und uns bei der Arbeit einige graue Haare gewachsen (beziehungsweise ausgefallen) sind, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.
Wenn die Szenen fertig bearbeitet waren, wurden sie als Einzelbilder exportiert und dann in Adobe Photoshop unter Verwendung von Graphic Tablets Bild für Bild übermalt. Diejenigen im Team, die besser zeichnen konnten – also Mirjam und Lilo – zeichneten nur die Konturen und Schattierungen, während diejenigen, die nicht so geübt waren – also ich – die Figuren aus- bzw anmalten.
Auch hier wurden wir ein wenig von Freunden und Kollegen unterstützt, allen voran Philip Schmallegger, Daniela Vogl und Manuel Corn. Um einen reibungslosen Workflow zu gewährleisten, fertigten wir einen Styleguide, also eine Anleitung mit genauer Erklärung des Arbeitsprozesses und einer Definition von den zu verwendenden Pinselarten und Größen sowie einer genauen Farbpalette für jeden Hautton und jede Kleidungsfarbe, an.
Die Animation wurde von uns mit 12 Bildern pro Sekunde konzipiert und gezeichnet, eine durchaus gängige Praxis im Animationsfilm. Sorgen machten uns allerdings die letzten Szenen im Video, in denen der Protagonist bereits in der Welt seiner Erinnerungen gefangen und alles übermalt sein würde, da 12 Bilder für Vollbildanimation schon sehr wenig wären.
So hatten wir den Einfall, Umgebung und Kamerabewegung in diesen problematischen Szenen dreidimensional zu Tracken und dann im Pseudo-3D-Raum von Adobe After Effects nachzubauen, wodurch wir auf die dadurch entstandenen virtuellen Wände gezeichnete Texturen „kleben“ konnten, was sich als enorme Zeitersparnis herausstellte. Geholfen bei diesem technisch ziemlich komplexen Prozess hat uns unser Kollege Christian Waldhofer.
Als wir im März 2009 schließlich mit Memory fertig waren, baten wir die Band – die das Video bis dahin noch nie gesehen hatte – uns die endgültige Version des Songs zu schicken, da wir mit einem bereits ein Jahr altem Demo arbeiteten.
Doch die Version, die uns Adam Blake zukommen ließ, überraschte uns sehr: Das Lied klang plötzlich ganz anders als im Demo, um das herum wir das Video aufgebaut hatten.
Aber nicht nur das Klangbild, sondern auch die Struktur des Songs war verändert, wodurch das Video an vielen Stellen plötzlich sehr unpassend wirkte.
Schockiert über diese Entwicklung schickten wir das Video sowohl mit der alten, als auch mit der neuen Version des Songs an Zoot Woman, in der Hoffnung, das sie das Problem erkennen würden, da es uns schlicht unmöglich war, das Video noch zu ändern.
Die Band war von unserem Produkt außerordentlich begeistert und verstand unsere Bedenken bezüglich des Songs. Zwei Tage später bekamen wir eine Email von Adam Blake in der er schrieb, dass die Band noch einmal ins Studio gegangen war, das Lied zu unserem Video neu aufgenommen hatte und es in dieser Version auch auf das Album kommen würde – für Mirjam und mich eine große Ehre.
Memory war für uns ein Experiment – auch wenn es eine Auftragsarbeit für eine international anerkannte Band war. Gemessen am Feedback, der Aufmerksamkeit in den Medien und den Preisen, die das Video gewonnen hat, würde ich wagen zu behaupten, dass es ein voller Erfolg war, auf den ich sehr stolz bin. Vorallem wenn man bedenkt, dass die Produktionskosten mit 850 Euro extrem gering ausfielen.